Geschichte

Geschichte des Evangelischen Vereinshauses
in PF-Brötzingen

105 Jahre Evangelisches Vereinshaus Brötzingen

Am 1. Oktober 2017 von 14:30 bis 16 Uhr feiert die AB Gemeinde Pforzheim im Rahmen eines Erntedankfestes das 105 jährige Bestehen des Evangelischen Vereinshauses in der Ankerstrasse 9. Neben der musikalischen Umrahmung und dem anschließenden Kaffeetrinken wird Gemeinschaftspastor Thomas Neuer aus Söllingen über Erntedank predigen. Nähere Infos findet man unter www.AB-Pforzheim.de und unter 07231,441019. Die AB-Gemeinde Pforzheim gehört zum Evangelischen Gemeinschaftsverband AB in Baden mit 23 Bezirken von Wertheim über Mannheim bis Steinen. Schon 1849 schlossen sich die Bibelstundenkreise in Baden auf der Grundlage des Augsburgischen Bekenntnisse von Melanchton zusammen. Daher die Abkürzung AB. Damals wie heute soll die Bibel Hilfe und Antwort geben in allen Lebenslagen. Dazu werden Bibelgesprächskreise in 15 umliegenden Orten meist in evangelischen Gemeindehäusern durch Haupt- und Ehrenamtliche abgehalten. Sonntags ist um 9:30 Uhr Gottesdienst im Evangelischen Vereinshaus in der Ankerstrasse 9 in Brötzingen. Ab 5. Oktober startet um 19:30 h der MyLife Kurs in der Gaststätte „Club de Amigos“, Westliche 255. Es geht darum Prägungen zu erkennen, sich selbst entdecken, Lebensziele und Sinn zu finden und Gott zu erfahren.

Auszug aus der Chronik:

Die Anfänge der AB-Bibelstunde in Pforzheim-Brötzingen reichen etwa in die 1850-60 Jahre zurück. Die Bibel-Versammlungen waren im Privathaus der Familie Hochmuth. Sie begannen auch die Kleinkinderschule. Leider kamen manche ungute Sachen durch Gemeinschaftsglieder vor, so dass in Folge von diesen die Versammlungen wieder aufgegeben werden mussten. Einige Jahrzehnte dauerte dieser Zustand bis die tiefen Wunden wieder vernarbt waren.

Später wurden dann durch Christen von der Pforzheimer Neustadt Bibelstunden in dem Privathaus einer Witwe in der Kirchenstrasse begonnen. Von dort kamen sie in die Mühlstrasse. Endlich fand die Gemeinschaft einen Ruheort in der damaligen Kinderschule, die auf dem Platz des heutigen Hauses „Westliche 296“ gegenüber der neuen Kirche (Christuskirche) stand. Die Leitung führte der damalige Herr Dekan Haag?. Als dann die Kinderschule unter Herrn Kirchenrat ?Kwinger? in den Neubau „Westliche 298“ verlegt wurde, ging auch die Gemeinschaft dorthin mit.

Mitte der 1890 Jahre wurde durch Reiseprediger Ludwig Nagel (1890-95) in PF vom Evang. Verein für innere Mission AB ein Jünglingsverein ins Leben gerufen, der bis zu dem erstellen des neuen Vereinshauses 1912 in dem Schulhaus seine Unterkunft fand.

Dieselbe Zeit wurde auch durch die Kinderschwester Rosa Strauß die Jungfrauenarbeit sowie die Sonntagsschularbeit begonnen.

Im Lauf der Zeit wurde aber mehr und mehr der Wunsch wach und das Bedürfnis geltend auf einen eigenes Haus. Im Jahr 1911 war nämlich ein Großbrand in Brötzingen, dem westlich des Marktplatzes eine große Reihe von Häusern zum Opfer fielen. Dort war es möglich einen Bauplatz zu erwerben. Durch ein Vermächtnis kam der Bausache ein Legat von 7000 Reichsmark zu gut. Durch die tatkräftige Mithilfe des Evang. Vereins für innere Mission AB kam die Sache endlich zustande. Die Grundsteinlegung fand am 16.6.1912 statt, so dass am 17.11. 1912 das neue Haus in der Ankerstrasse 9 eingeweiht werden konnte. Es ist darin auch eine Kleinkinderschule eingerichtet so sind Gemeinschafts-, Jünglings-, Jungfrauenpflege, Sonntagsschularbeit und Missionsarbeitsverein in dem Hause möglich. Seit September 1912 wurden zwei Reiseprediger hier im AB-Land-Bezirk Pforzheim angestellt. Die Gemeinschaft macht viel Sorgen. Am 1.April 1914 verlegte der Schreiber dieser Zeilen (Br. Drach) seinen Wohnsitz nach Eutingen. Durch den Kriegsausbruch musste Br. Eisenkopf zu den Waffen greifen und Br. Jung, der gerade von Sankt Chrischona (Basel) an den Verein abgegeben war, wurde nach Brötzingen gestellt. Im Januar  1915 wurde auch er eingezogen. Seit Juli 1915 ist derselbe vermisst und ist keine Hoffnung, dass er noch leben wird. Br. Eisenkopf fiel auf dem Schlachtfeld 1918.

Der Bezirk Pforzheim Land mit dem Sitz in Brötzingen umfasst gegenwärtig im Jahre 1912 folgende Ortschaften in der Umgegend:

Kleinvillars, Bauschlott, Birkenfeld, Brötzingen, Büchenbronn, Connweiler, Corres, Dietlingen, Dürrn, Dillweissenstein, Dobel, Eisingen, Ellmendingen, Enzberg, Eutingen, Feldrennach, Göbrichen, Gräfenhausen, Huchenfeld, Isringen, Kieselbronn, Langenalb, Mühlacker, Neusatz, Niebelsbach, Niefern, Rotensol, Schwann, Senkgass Weiler, Würm, Königsbach, Stein, Gronbach, Schaffhausen, Diefenbach.

Bis zum Jahr 1909 gehörten noch Ittersbach und Ottenhausen dazu, dieselben wurden aber wegen zu großer Ausdehnung des Bezirk an den oberen Pfinzbezirk Langensteinbach abgegeben.

Im Sept 1913 wurde auf Wunsch des Verwaltungsrats des Evang. Vereins für innere Mission AB eine Teilung des Land-Bezirkes vorgenommen. Die Grenze bildete die Bahnstrecke Karlsruhe-Mühlacker d.h. die an dieser Bahnstrecke gelegenen Orte gehören zum nördlichen Teil mit Sitz des Reiseprediger in Eutingen; der südliche AB Bezirk in Brötzingen. Die Stadt- und Landarbeit war mit den Jahren vollständig getrennt worden. Die Stadtarbeit war durch Fabrikant Wilhelm Mürrle 1848 angestoßen worden.

Nach dem 2.Weltkrieg war die Arbeit sehr dezimiert. 1954 wurde ein neues Vereinshaus in der Kiehnlestrasse 10 eingeweiht. Siehe extra Chronik.

2016 wurden nach über 100 Jahren die beiden AB Landbezirke wieder zusammengelegt. Gemeinsamer Sitz ist nun das Evangelische Vereinshaus in Brötzingen, Ankerstrasse 9.

Hochmuth / Hirdinger 1850
Kölli / Schumacher / bei Witwe Eberle
Christian Vollmer
Ludwig Nagel 1899
Strobel
Scharnbacher 1902
Wilhelm Nagel 1902-
Bender 1904-1906
August Schmidt 1906-1908
Killian Drach 1912-
Maurer 1912
Eisenkopf 1914
Richard Jung 1914-1915
Diehm 1918-1920
Christian Koelle 1920-1924
Johannes Storck 1928-1948
Erwin Seiter 1938-1940
Willi Fesser 1948-1961
Karl Weber 1961-1966
Daniel Ströble 1966-1980
Gustav Jenne 1980-1985
Joachim Ulmer 1985-1999
Klaus Mayer 1999-2006
Peter Fischer 2007-2016
Frank Bölstler 2016-

Geschichte des Vereinshauses in der Kiehnlestrasse 10

 

Geschichte des Evangelischen Gemeinschaftsverbands AB

Vorbemerkung: Der Evangelische Gemeinschaftsverband AB wurde ursprünglich unter dem Namen „Evangelischer Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses“ gegründet. Meist wurde er einfach „A.B.-Verein“ genannt. Seinen neuen Namen trägt er seit dem Jahr 2012.

Im beginnenden 19. Jahrhundert war Deutschland geprägt von der geistigen Strömung der Aufklärung. Eine rein rationalistische Weltsicht bestimmte das Denken. Der Mensch und seine Vernunft wurden zum Maß aller Dinge erklärt.

Die Aufklärung erfasste auch die Theologie, in der man nun alles Übersinnliche ablehnte. Man vertrat die Meinung, dass Jesus Christus nicht Gottes Sohn, sondern nur ein guter Mensch gewesen sei. Viele Aussagen der Bibel wurden total in Zweifel gezogen oder völlig anders gedeutet.

 

Aloys Henhöfer

Im Zusammenhang mit der Badischen Revolution (1848/1849) kam es auch zu politischen Umwälzungen. Die Menschen suchten nach Orientierung und so wuchs der Hunger nach einem lebensbezogenem Glauben, der mit einem Gottesdienstbesuch am Sonntagvormittag allein nicht zu stillen war.

Da gaben der Erweckungsprediger Aloys Henhöfer (1789-1862) und andere Pfarrer in Baden den Rat, sich zusätzlich zu Bibelstunden zu versammeln. So entstanden die ersten Gemeinschaftskreise, lange bevor der Gemeinschaftsverband gegründet wurde.

Anlass für die Vereinsgründung war die große soziale und geistliche Not in Baden und darüber hinaus. Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der Gründer des Rauhen Hauses in Hamburg, hatte überall in Deutschland für die Gründung von Vereinen der inneren Mission geworben.

Verschiedene Pfarrer und Laien haben diesen Impuls aufgenommen. Sie fassten die bereits bestehenden und die sich neu bildenden Gemeinschaftskreise zusammen, um die Beschäftigung mit der Bibel zu intensivieren. Außerdem gründeten sie Kinderschulen, um die Not der vielen verwahrlosten Kinder zu lindern.

So wurde am 24. Januar 1849 der Evangelische Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses, kurz A.B.-Verein genannt, in Karlsruhe-Durlach gegründet.

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Es wurde erforderlich, dass zur Betreuung der Gemeinschaftskreise Prediger angestellt wurden mit der Aufgabe der Verkündigung und Seelsorge.Den Gründern des A.B.-Vereins war es wichtig, dass die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins sich zu Jesus Christus bekennen, wie er in der Bibel und im ältesten evangelischen Bekenntnis, dem Augsburgischen Bekenntnis (Artikel 3) bezeugt wird:

„Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, wahrhaftig am 3. Tage von den Toten auferstanden“.

Deshalb sollte der Name dieses Bekenntnisses (Augsburgisches Bekenntnis = AB) auch im Namen des Vereins vertreten sein.

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In den folgenden Jahrzehnten konnte die Arbeit des Vereins ein beachtliches Wachstum verzeichnen. Viele Menschen schlossen sich den Bibelkreisen an oder gründeten neue Kreise. In den Sonntagsschulen wurde den Kindern die Botschaft der Bibel auf kindgerechte Art und Weise vermittelt. In der Jungmännerarbeit und der Jungfrauenarbeit wurden junge Menschen mit dem Evangelium bekannt gemacht. Vielerorts entstanden Posaunenchöre und Gemischte Chöre mit dem Ziel, durch Lieder und Musik Gott zu loben.

Eine besondere Bedeutung für die Arbeit des A.B.-Vereins hat Pfarrer Theodor Böhmerle (1870-1927) bekommen, der 1903 zum Inspektor des Vereins und dann auch zu seinem Vorstand berufen wurde. Er förderte in der ersten Zeit seines Wirkens die erwecklich – evangelistische Verkündigung in Verbindung mit missionarischer Diakonie.

Zu den Schwerpunkten seiner Tätigkeit gehörte die Berufung von Missions­schwestern für die Jungfrauenarbeit. Er förderte den Bau von Vereinshäusern und regte die Durchführung von Bibelwochen an. Im Jahr 1909 gründete er das Bibelheim „Bethanien“ als geistliches Zentrum des A.B.-Vereins.

Pfarrer Theodor Böhmerle
In den letzten Jahren seines Wirkens setzte Pfr. Böhmerle andere Akzente. Dies wurde ausgelöst durch schwere persönliche Führungen und einschneidende politische Veränderungen. Die Beschäftigung mit der Berufung der Gemeinde Jesu und des Volkes Israel sowie mit Fragen der Endzeit führte dazu, dass nun die Vertiefung der Erkenntnis und die persönliche Heiligung stark betont wurden.

Pfarrer Pfleiderer Pfarrer Beck

Pfr. Adolf Pleiderer (1867-1963) und Pfr. Wilhelm Beck (1894-1980) nahmen als Hausväter des Bibelheims „Bethanien“ in der Zeit während des 2. Weltkrieges und danach diese Gedanken auf und führten sie weiter. In dieser Zeit traten die Kinder- und Jugendarbeit sowie die erweckliche Arbeit eher in den Hintergrund.
Heute erkennt man im AB-Verband beide Schwerpunkte als Gottes Auftrag. Sowohl die erwecklich – evangelistische Arbeit als auch die Vertiefung in der Erkenntnis des Wortes Gottes und die Vorbereitung auf die Wiederkunft von Jesus Christus sind uns durch die Bibel aufgetragen.
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